Sachsens Archäologiemuseum erweitert taktilen Rundgang

Ab jetzt sind im smac – dem Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz – neben der archäologischen Dauerausstellung auch Erkerausstellungen zur Geschichte des Kaufhauses Schocken mit taktilem Rundgang für blinde und sehbehinderte Menschen verfügbar.

[Medienservice Sachsen; red. ey] Das Archäologiemuseum befindet sich im ehemaligen Gebäude des Kaufhauses Schocken, einstig die viertgrößte Kaufhauskette Deutschlands, und widmet dieser deutsch-jüdischen Geschichte nun mehrere Ausstellungsbereiche. Vor allem: mit taktilem Rundgang.

Taktiler Rundgang

Das Museum ist mit einem taktilen Bodenleitsystem bereits ab beiden Eingängen vollständig ausgestattet und führt direkt zur Kasse. Dort erhält man den Audioguide, ausgestattet mit Orientierungsnoppen in der Mitte des Nummernfeldes zur Eingabehilfe und ganzen 23 Hörstationen. Diese sind nicht nur spannend, sondern auch hilfreich, denn das Gerät gibt Hinweise zur Anzahl der Taststationen und zur Laufrichtung.

Hiermit komm man ohne Probleme von der Kasse zu den taktilen Übersichtsplänen und Fahrstühlen, und letztendlich zu den Ausstellungen. Aber auch das Bodenleitsystem selbst hilft bei der Orientierung, da Abzweig- und Aufmerksamkeitsfelder mit dichten Noppen versehen sind, und somit Richtungswechsel und Taststationen auffällig machen.

Für diese Stationen gibt es ganze 34 3D- und 2D-Tastobjekte, wobei die Objektkennungen und Stationsnummern stets in Profil- und Brailleschrift tastbar sind.

Eine öffentliche Führung wird am Samstag, den 05.09. 2026, durch eine Gebärden-Dolmetscherin begleitet. Mehr Informationen zu der Veranstaltung finden Sie unter diesem Link.

Barrierefreiheit und das smac

Das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz begann die Umsetzung barrierefreier Maßnahmen im Jahre 2017, sodass bereits seit 2019 Texte in beinahe jeder Sonderausstellung in Gebärden- und Leichter Sprache umgesetzt wurden. Seit 2021 erweiterten sie dies auch mit dem taktilen Rundgang, folgend dem Ziel ein ‚Museum für Alle‘ zu sein. So auch die Direktorin des smac, Sabine Wolfram, welche die Wichtigkeit dahinter betonte: »Nur wenige Museen in Deutschland nehmen Barrierefreiheit und Inklusion so ernst wie wir im smac.«

Auch bei der Ausstellung zum Kaufhaus Schocken zeigt sich dies, denn der Rundgang wurde zusammen mit einer Prüfgruppe blinder und sehbehinderter Menschen entwickelt. Es wurde unter anderem ausgewählt welche Exponate als Tastobjekte umgesetzt werden sollten und wie genau der Audioguide bei der Orientierung helfen würde, eben mit Einbezug von betroffenen Personen.

Erkerausstellungen

Die Ausstellungsbereiche erstrecken sich über ganze 3 Etagen entlang der Fensterbänder – daher auch Erkerausstellungen.

  • 1. Etage – Erich Mendelsohn: Architekt der das Kaufhaus entwarf. Seine Architekturmodelle wie z.B. den Einsteinturm können Besucher ertasten, sowie Reliefbilder seiner Entwurfsskizzen und auch eine Schellack-Schallplatte. Mendelsohn liebte nämlich Musik während seiner Arbeit zu hören und dies wird auch vom Audioguide mit einem klassischen Stück akustisch untermalt.
  • 2. Etage – Kaufhaus Schocken: Ein tastbares Modell des Chemnitzer Kaufhauses Schocken, eine taktile Karte Sachsens und Reliefdarstellungen des Personals vermitteln die Geschichte des Konzerns und des Gebäudes.
  • 3. Etage –  Salman Schocken: Konzernmitbegründer und einer der beiden Gebrüder Schocken. Hier wird er allerdings auch von der Seite eines Büchersammler und Verleger von deutscher und jüdischer Literatur beleuchtet. Besucher können unter anderem seine Lebensstationen, die Schocken Bibliothek in Jerusalem sowie die von ihm geförderte moderne hebräische Schrift erfassen.

Mehr Informationen zu der Ausstellung und dem Kaufhaus Schocken finden Sie auf der Webseite des Archäologiemuseums. Die Inhalte sind auch in Deutscher Gebärdensprache verfügbar.

 

Bild: Medienservice Freistaat Sachsen